Neue Denkanstösse für die Berufsbildung von jungen Menschen mit Behinderung


Jugendliche mit Behinderung werden bei der Lehrstellen-Vergabe selten berücksichtigt. Am Mittwochabend, 13. September 2017 lud das Label iPunkt zur Denkpause ins SBB-Lokdepot Basel. Junge Erwachsene mit und ohne Behinderung diskutierten mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Bildung und Arbeitsintegration über Anschlusslösungen und Herausforderungen. 130 Gäste wohnten der iPunkt-Denkpause bei, darunter der Basler Regierungsrat Conradin Cramer.

 

Auch dieses Jahr zeigt der Lehrstellenbarometer: In der Schweiz blieben wiederholt Tausende Lehrstellen unbesetzt. Trotzdem finden Jugendliche mit Behinderung nur schwer den Einstieg in die Berufswelt. 


Die iPunkt-Denkpause 2017 im SBB-Lokdepot Basel, organisiert von Impulse, stellte die Berufsausbildung für Jugendliche mit einem Handicap ins Zentrum.Der Basler Regierungsrat und Vorsteher des Erziehungsdepartements, Conradin Cramer, erklärte im Begrüssungsgespräch: «Die Berufsbildung für Jugendliche mit Behinderung ist bei uns ein Fokusthema, vor allem auch darum, weil wir auf Volksschulebene mit integrativen Klassen bereits einen grossen Schritt Richtung Inklusion gemacht haben.» Welche Weichen müssen also neu gestellt werden, damit dem Innovationsland Schweiz das Potential junger,talentierter Menschen nicht entgeht?

Junge Erwachsene zogen die Notbremse und fragten nach

Sina Mori, angehende Pharma-Assistentin in Ausbildung; Jonas Pauchard, frisch ausgebildeter Kaufmann sowie Daniela Dill, Spoken-Word-Künstlerin und Texterin fragten nach – frisch und unbequem. Ihre Gesprächspartner waren Gäste aus Wirtschaft, Bildung und Arbeitsintegration. «Oftmals haben Arbeitgebende Berührungsängste. Jugendliche mit Behinderung sollen ihre Stärken hervorheben und Lösungen anbieten», so Jürg Zellweger, Ressortleiter Bildung beim Schweizerischen Arbeitgeberverband. Soziales Engagement wird bei der Ricola AG grossgeschrieben: Das Unternehmen zählt auf Mitarbeitende mit Behinderung und wurde dafür von Impulse mit dem Label iPunkt zertifiziert. «Unwissen bei Arbeitgebenden ist ein Hauptgrund dafür, dass es wenig Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung gibt. Mit dem Label iPunkt können wir zur Sensibilisierung beitragen,» sagt Global HR Director René Schori.

 

Die weiteren Talkgäste waren Michael Schweizer, Geschäftsführer login Berufsbildung AG (Bildungspartner SBB); Christine Hunziker, Geschäftsführerin lehrundmehr GmbH; Jürg Schneider, Leiter Betriebliche Ausbildung, Amt für Berufsbildung und Berufsberatung Kanton Baselland; Brigitta Spalinger, Leiterin Lehraufsicht Kanton Basel-Stadt; Christine Hunziker, Geschäftsführerin lehrundmehr GmbH; Olaf Meiburg, Leiter Integration IV-Stelle Basel-Stadt und Monica Mori, Versicherungsfachfrau und Mutter einer Jugendlichen mit Behinderung.


Bernhard Russi: Jede Weichenstellung ist eine Erfahrung

 

Hürden überwinden und neue Wege aufgleisen – Bernhard Russi zog im Video-Interview mit Impulse Parallelen zu seiner Sport- und Berufskarriere. SeineWeichen im Leben haben den früheren Schweizer Spitzen-Skirennfahrer von Erfolg zu Erfolg geführt.Weder Olympiasieger, Pistenbauer noch SRF-Skiexperte sind anerkannte Berufslehren – Bernhard Russi ist heute an einem ganz anderen Ort, als er sich dies als Jugendlicher vorgestellt hatte. Neugier, Risikobereitschaft, Mut und Vertrauen in die eigene Fähigkeiten haben ihn dorthin getrieben, wo Russi heute steht. «Jede Weichenstellung ist auch ein Erfahrungswert fürs Leben. Egal, ob sie zu einem Erfolg führt oder auf einem Abstellgleis endet.»

 

Menschen mit Behinderung haben eine Chance verdient

 

Im Schlussgespräch der iPunkt-Denkpause standen die Visionen junger Menschen im Fokus: Claudine Tschopp und Tanja Chvojan, die beide mit einer Behinderung leben, zeigten auf, wie schwer die Suche nach einem Ausbildungsplatz war – heute haben beide ein Fähigkeitszeugnis erlangt und damit bewiesen, dass die Berührungsängste seitens zurückhaltender Arbeitgeber unberechtigt waren. Aber ihr Weg soll noch weitergehen. Sie haben klare Pläne für ihre berufliche Zukunft und appelierten an die Wirtschaft: «Auch Menschen mit Behinderung haben Visionen und eine Chance im Arbeitsmarkt verdient – wie alle anderen auch.»

Die iPunkt-Denkpause 2017 wurde ermöglicht dank der freundlichen Unterstützung der IV-Stelle Basel-Stadt, der SVA Basel-Landschaft, dem Nationalen Programm zur Prävention und Bekämpfung von Armut, der Wirtschaftskammer Baselland, der Handelskammer beider Basel und dem Arbeitgeberverband Basel und Konnex. Der Networking-Apéro wurde von der AHA Ausbildungsstätte sowie der Confiserie Schiesser gesponsert. Impulse bedankt sich bei der SBB und dem Restaurant Juraschlaufe für das Gastrecht. Moderiert wurde der Anlass von Frank Linhart (Arbeitgeberverband Basel) und Guido Herklotz (Impulse).

Impressionen:

 

 


Besammlung am Bahnhof Basel.


Der iPunkt-Denkpause-Sonderzug der SBB fuhr die Gäste vom Bahnhof Basel ins SBB-Lokdepot.


Abfahrt.


Ankunft beim SBB-Lokdepot Basel.


Durch das Programm führten Frank Linhart (links, Arbeitgeberverband Basel) und Guido Herklotz (Impulse).


Conradin Cramer, Regierungsrat und Vorsteher des Erziehungsdepartements
Basel-Stadt im Talk.


Welche Weichen müssen punkto Berufsbildung neu gestellt werden?



Junge Menschen mit und ohne Behinderung führten Gespräche...


...mit Gästen aus Wirtschaft, Bildung und Arbeitsintegration.


Talk mit Brigitta Spalinger, Leiterin Lehraufsicht beim Kanton Basel-Stadt.

 
Spoken-Word-Künstlerin Daniela Dill mit einer Performance zum Thema "Glück."

 Talk mit Claudine Tschopp (links) und Tanja Chvojan.

 


Gemeinsames Weichen stellen für eine chancengerechte Berufsbildung. Von links: Jürg Zellweger, Ressortleiter Bildung, Schweizerischer Arbeitgeberverband; Brigitta Spalinger, Leiterin Lehraufsicht, Kanton Basel-Stadt und Olaf Meiburg, Bereichsleiter Integration, IV-Stelle Basel-Stadt. 

 

Abgerundet wurde die iPunkt-Denkpause mit einer Führung durch das SBB-Lokdepot...


...und einem Networking-Apero...

...mit einer imposanten Aussicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 





Fotos: Markus Inderbitzin

Die iPunkt-Denkpause 2017 wurde ermöglicht dank der freundlichen Unterstützung von: